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Walschbronn („Weckersburg“) (Commune de Walschbronn, Canton de Volmunster, Département de la moselle) - Burg des Monats März 2011

 Autoren: Ulrich Burkhart, Jean-Michel Rudrauf und Martin Wenz

Burgruine Walschbronn („Weckersburg“), Zeichnung von [ ] Chenot, 1828 (AM Sarreguemines, fotografische Bestände, Walschbronn)Gesicherte Schriftquellenbelege zur Entstehungszeit der Burg- bzw. Schlossanlage in Walschbronn liegen nicht vor. Nach dem von 1756 stammenden Bericht Dom Augustin Calmets soll die Anlage 1490 errichtet worden sein. Wohl hierauf basierend wird in der Literatur – ohne jeglichen Beleg – Graf Simon Wecker IV. (gestorben 1495) von Zweibrücken-Bitsch als Gründer der Burg angesehen. Franz X. Kraus führte dementsprechend den bei Lehmann erstmals nachweisbaren Namen „Weckersburg“ auf jenen Simon Wecker (IV.) zurück.

 

Gehe zu: Geschichte - BaubeschreibungRingmauer (Kurtine)Der nordöstliche Flankierungsturm - Das Wohngebäude Topographie

 
Die Burg wurde an einer günstigen Stelle am Schnittpunkt von vier Tälern sowie an der Kreuzung wichtiger Regionalwege erbaut. Ob die Errichtung der Burg in Zusammenhang zu sehen ist mit einer wohl schon den Römern bekannten erdöl- und mineralienhaltigen Heilquelle am Fuße des Burgberges, kann aufgrund fehlender Belege nicht gesagt werden. Jedenfalls leitet sich der Ortsname „Walschbronn“ wohl von der Quelle ab.

 

Nach den ältesten bekannten, aber nicht ganz verlässlichen Schriftquellen könnte die Burg zu Beginn bzw. im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts errichtet worden sein. Über die mögliche Existenz einer mittelalterlichen Vorgängeranlage liegen derzeit keine Angaben vor. Laut einer aus dem Jahr 1577 stammenden Beschreibung der zur Herrschaft Bitsch gehörigen Orte, welche Thierry Alix in seine „Beschreibung des Herzogtums Lothringen“ von 1594 einbezog, soll die Anlage 60 oder 70 Jahre vorher von Graf Georg von Zweibrücken-Bitsch und Herrn von Ochsenstein, dem „Bruder“ des Grafen Jakob von Zweibrücken-Bitsch, errichtet worden sein. Dieser Hinweis von Alix ist falsch, denn in Wahrheit war Georg ein Vetter des Grafen Reinhard von Zweibrücken-Bitsch und Lichtenberg, des Vaters von Jakob. Die Inkorrektheit der Verwandtschaftsrelation nährt natürlich auch Zweifel an der Richtigkeit des Erbauungszeitraumes.

 

Burgruine Walschbronn („Weckersburg“), Luftaufnahme von Nordwesten,2007 (Aufnahme: Manfred Czerwinski, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde)Nach den Ausführungen Lehmanns soll Graf Georg von Zweibrücken-Bitsch und Ochsenstein 1526 von seinem Cousin, dem genannten Grafen Reinhard von Zweibrücken-Bitsch und Lichtenberg, u.a. dessen Schloss Walßpurn samt Zugehörungen als Wohnsitz und zur sonstigen Nutznießung auf Lebenszeit eingeräumt haben. Dafür hatte Georg seinem Verwandten Burg und Stadt Reichshofen (s.d.) überlassen, wobei ihm die letztere Wehranlage und Stadt als Unterpfand verblieben.

 

Nach der Bitscher Herrschaftsbeschreibung von 1577 hat nach dem Tod Graf Georgs (1559) dessen Nachfolger im Besitz Walschbronns, der bereits genannte Graf Jakob von Zweibrücken-Bitsch, die Anlage verfallen lassen. Vermutlich ist sie anschließend nicht wieder aufgebaut worden. Thilloy zitierte 1862 aus einer erweiterten Fassung jener Beschreibung von 1577, welche bislang unpubliziert ist. Danach sollen die neuen Besitzer der (ruinösen) Anlage, die Herren von Offracourt, um 1578 das im Schloss verbaute Holz verkauft haben, da letzteres am Verfaulen gewesen sei. Dies würde darauf hindeuten, dass die Dächer der Bauten beschädigt waren und es hineinregnete. Demnach wäre dem
Schloss keine lange Bestandsdauer beschieden gewesen. Thilloy meinte sogar zu wissen, dass es nie vollendet worden und deshalb bald darauf verfallen sei. Ob diese Aussage in Zusammenhang steht mit der durch Lehmann überlieferten Teilung der Besitzungen, welche 1534/35 die grälichen Brüder Simon Wecker (V.) und Jakob von Zweibrücken-Bitsch und Lichtenberg vornahmen, muss dahin gestellt bleiben. Eine extreme Aufspaltung des Vermögens und eine damit einhergehende Finanzknappheit der Zweibrücken-Bitscher Grafen scheint jedoch in Anbetracht der bei Lehmann aufgezählten Reichhaltigkeit der geteilten Besitzungen wenig wahrscheinlich. Jedenfalls soll die zunächst im Dezember 1534 vereinbarte Teilung nach Lehmann „in dem Schlosse Weckersburg bei Walsburn“ vorgenommen worden sein. Demzufolge hätte sich damals die Anlage in einem bewohnbaren Zustand befunden, d. h. sie wäre baulich intakt bzw. zumindest annähernd vollendet gewesen. Ob der von Lehmann genannte Namen der Anlage wirklich zeitgenössisch bzw. die Namensgebung gar mit Simon Wecker (V.) in Verbindung zu bringen ist, bleibt unklar.

 

Zwar geht aus Lehmanns Ausführungen nicht ausdrücklich hervor, welcher der beiden Brüder die Anlage letztendlich zugesprochen bekam, doch dürfte Simon Wecker als dem älteren der beiden Brüder mit der Herrschaft Bitsch auch Walschbronn und somit auch das Schloss zugefallen sein. Nach dessen Tod im Oktober 1540 kam ein Jahr später nach einigen Erbauseinandersetzungen die Bitscher Herrschaft samt Amt, Schlössern, Flecken und Dörfern an seinen jüngeren Bruder Jakob.

 

Burgruine Walschbronn („Weckersburg“), Ringmauer und nordöstlicher Flankierungsturm von Südosten (l. im Vordergrund die Mariengrotte), 2007 (Aufnahme: Ulrich Burkhart)Da dieser seinen Sohn Johann Friedrich überlebte, iel sein Erbe nach seinem Tod (November 1570) an seine Tochter Ludovica Margaretha. Letztere war mit Philipp V., Graf von Hanau-Lichtenberg, verheiratet. Im September 1606 ließ Graf Johann Reinhard I. von Hanau-Lichtenberg, der Sohn Philipps V., in seinem Schloss Philippsburg (s.d.) einen Teil des Archivs der Herrschaft Bitsch an die Bevollmächtigten Herzog Karls III. von Lothringen übergeben, nachdem beide Parteien zur Beendigung der Auseinandersetzungen um Schloss und Herrschaft Bitsch bereits im Februar 1604 einen Frieden geschlossen hatten. In diesem Zusammenhang wurden zwei Urkundenverzeichnisse angelegt, in denen zum einen eine Urkunde von 1510 über das Badt zu Walsporn, zum anderen ein Konvolut von Schriften Walsporn das alte Schloß, auch Badehaus und Bad daselbst betreffendt enthalten waren. Aus dem Kontext der Verzeichnisse ergibt sich, dass das letztgenannte Konvolut wohl aus der Zeit um 1545 stammen dürfte. Offenkundig haben die Grafen von Zweibrücken-Bitsch und Lichtenberg das Schloss in Zusammenhang bzw. in (Besitz-) Einheit mit dem Bad in Walschbronn gesehen, weswegen auch gemeinsame Akten darüber angelegt worden sind.

 

Im Zuge der Einigung um die Herrschaft Bitsch gelangte Walschbronn mit der wohl zu diesem Zeitpunkt ruinösen Wehranlage 1606 von den Grafen von Hanau-Lichtenberg an das Herzogtum Lothringen. Mitte des 18. Jahrhunderts beabsichtigte der Marquis de Bombelles, die Ruinen des Schlosses für einen Militärposten zu nutzen. Denn von diesem existierten noch Reste, „vor allem ein starker Turm, aus dem man einen für den König sehr nützlichen Posten machen könnte, um den an der Grenze zur Pfalz hin gelegenen Eingang des Bitscher Tals sowie die Ausfuhr von Getreide und den Schmuggel zu überwachen“.

 

Burgruine Walschbronn („Weckersburg“), nordöstlicher Flankierungsturm von Südosten, 2007 (Aufnahme: Ulrich Burkhart)Der Militärposten müsse so stark ausgebaut werden, dass er von einer Mannschaft von 50 Mann verteidigt und nur durch Kanonenbeschuss eingenommen werden könne. Über die Umsetzung von Bombelles Pläne liegen allerdings keine Nachrichten vor. Der von Thilloy zitierten, etwas umfangreicheren Version der Beschreibung von 1577 ist zu entnehmen, dass damals noch Türme und Mauern und ein (Haupt-) Gebäude, welche allesamt aus Steinen beachtlicher Größe errichtet worden seien, vorhanden waren (et n’y reste pour ce jourd’huy que les tours et murailles avec un corps de logis qui sont de bonnes pierres de taille). Calmet sah 1756 noch Stücke von Mauern und Teile von Türmen der Anlage (dont il reste encore des pans de murs et des parties de tours). Neben Mauerresten gab es 1862 laut Thilloy zudem den Überrest eines viereckigen (Wohn-) Turmes, der im 18. Jahrhundert noch intakt gewesen sein soll (Il en reste encore aujourd’hui quelques pans de murailles et les débris d’une forte tour carrée encore intacte au siècle dernier). Kraus meinte 1889, dass „nur geringe Trümmer die Stelle der alten Burg“ bezeichneten. Angeblich sollen Steine der Burg zu unbekannter Zeit zum Bau von Häusern und der Friedhofsmauer in Walschbronn genutzt worden sein.

 

Die Autoren des „Reichsland Elsass-Lothringen“ konnten 1901/03 überraschenderweise keine baulichen Überreste des Schlosses ausmachen, obwohl noch welche vorhanden waren. 1909 wurde im Bereich der Ruine eine monumentale Herz-Jesu-Statue errichtet. Aufgrund der Errichtung dieser auf einem hohen Steinsockel ruhenden Statue, dem Bau einer Lourdesgrotte sowie der weitgehenden Aufschüttung des Geländes ist das Burga real heute stark überformt. 1945 wurden durch den Vogesenclub Restaurierungsarbeiten vorgenommen. 2006 wurden Teile der Anlage saniert.

 

Baubeschreibung
Calmet vertrat 1756 die Ansicht, dass „das Schloss geräumig und recht stark befestigt“ (un château spacieux et assez fort) gewesen sei. Vermutlich waren damals noch mehr Reste der Anlage vorhanden als heute, wie ein Grundrissplan im „Atlas topographique du pays de Bitche“ von 1758 sowie die Zeichnung Chenots von 1828 bestätigen. Die Anlage nahm eine weitläuige, in etwa von Nordosten nach Südwesten verlaufende Felsplatte ein. Die westliche und südliche Kontur der Anlage wurde durch die Form des Burgfelsens bestimmt. Gegen Nordosten und auf der ganzen östlichen Seite ist heute der Boden nivelliert und der frühere (Hals-) Graben verschwunden. Die Stelle erscheint zur Errichtung einer Burg wenig geeignet, da sie bergseitig stark überhöht wird und von der gegenüberliegenden Talseite aus beschossen werden konnte. Darüber hinaus ist der Felsen nicht sehr hoch. Dennoch lag die Burg an geostrategisch günstiger Stelle, da von ihr aus die direkt am Fuß des Felsens von Bitsch nach Kröppen/Pirmasens verlaufende Straße eingesehen werden konnte.

 

Burgruine Walschbronn („Weckersburg“), Wohngebäude von Süden, 2007 (Aufnahme: Ulrich Burkhart)Der überlieferte rautenförmige Grundriss von 1758 erlaubt, obschon in seiner Gestalt klein und gedrängt, gewisse Aussagen über die heute in großen Teilen ihrer Baulichkeiten beraubten und im Ostbereich von Bewuchs überwucherten Anlage. Der Zugang – wohl über eine Fallbrücke über den verschütteten Graben – lag an der Nordostecke. Neben dem Eingang befand sich, an die Ringmauer angebaut, ein kleines Gebäude (Pfortenhaus?). An den Mauerbering waren an der Innenseite im Norden, Nordwesten und Südwesten Gebäude angelehnt. Der große, noch in Resten erhaltene Südostbau fehlt allerdings in der Grundrissdarstellung. Diese zeigt einen ausgedehnten Burghof, der heute durch einen Hang in eine höherliegende nordöstliche und eine tiefer gelegene südöstliche Ebene geteilt ist.

 

Im südöstlichen Bereich erhebt sich heute die Herz-Jesu-Statue (1). Der Nordwestbereich wurde durch den Bau einer Mariengrotte nachhaltig verändert. Sowohl für ihre Errichtung als auch für das Anlegen der zu ihren Füßen beindlichen Terrassenmauern wurden wohl Steine der Burg verwendet.

 

Ringmauer (Kurtine)
Im Nordbereich ist ein bedeutender Abschnitt der Ringmauer (2) erhalten, in die im Nordwesten ein runder Flankierungsturm eingebunden ist (3). Die auf den Fels gründende Mauer ragt auf ihrer Außenseite teilweise ca. vier bis fünf Meter empor. Auf der Innenseite erhebt sie sich noch mindestens 1,50 Meter über das heute aufgefüllte Hofniveau. Nur die Steine in den oberen Lagen der Kurtine weisen Zangenlöcher auf. In ihren südwestlichen Partien wurde sie im Zuge der letzten Sanierungskampagne 2006 stark mit Sandsteinquadern ergänzt. Zwei große breschenartige Ausbrüche in der oberen Zone dieses Mauerbereiches wurden hierbei ebenfalls mit Quadersteinen geschlossen. Das ergänzte Mauerwerk wurde in Bearbeitung und Versatz dem vorhandenen angeglichen. Bei den neu bearbeiteten Quadersteinen wird es sich um wiederverwendetes Steinmaterial der Burg handeln. Auf der Zeichnung von 1828 sind jedoch ungefähr auf Höhe der heutigen Ausgleichsschicht der Mauer drei waagrechte Schießscharten dargestellt. Nach dem Grundriss von 1758 war an die Hofseite dieser Mauer ein beachtlicher Bau angelehnt, von dem lediglich ein Rest seiner mit dem Mauerbering verzahnten Südwestseite (4) sowie die noch obertägig am Boden abzulesende Mauerspur der gegenüberliegenden Seite erhalten sind.

 

Der nordöstliche Flankierungsturm
Die Nordostecke wurde von einem Flankierungsturm mit vollrundem Grundriss geschützt. Wie alle übrigen noch erhaltenen Steinbauten wurde er aus glatten Rechtecksteinen errichtet, die an ihren Außenseiten Zangenlöcher aufweisen. Der Steinversatz erfolgte in regelmäßigen Lagen mit auffallend breiten Fugen. In seiner oberen Zone ist das Mauerwerk des Turms ergänzt worden. Die obersten acht bis neun Steinlagen dürften im Rahmen einer älteren Restaurierungsmaßnahme hinzugefügt worden sein. Durch eine moderne Betondecke wurde der Turm vom Burgplateau aus ebenerdig begehbar gemacht und das Mauerrund der Turmplattform in seinen nördlichen und nordwestlichen Teilen bei der
letzten Sanierungskampagne (2006) komplettiert.

 

Über eine absteigende moderne Steintreppe ist das Turmuntergeschoss durch zwei in kurzem Abstand aufeinanderfolgende Türöffnungen zugänglich. Diese Zugangssituation gibt Rätsel auf, da dem Turm ein kleiner, von einem hochansetzenden Segmentbogengewölbe bedeckter kammerartiger Raum vorgelagert ist. Dieser war einstmals mit einer Außentür versehen, wie an den Aussparungen für das Türgewände noch zu sehen ist (der nördliche Türgewändestein wurde wohl 2006 ergänzt). In der Westwand beindet sich eine Nische mit einer nach Südwesten gerichteten ausgebrochenen Öffnung, bei der es sich ursprünglich wohl um eine Schießscharte gehandelt haben wird. Allerdings ist die Funktion der beiden links und rechts in die Nischenwände eingearbeiteten Balkenlöcher nicht geklärt. Ebenso unsicher ist die Funktion der gegenüberliegenden hochrechteckigen, oben mit einem geraden Sturz abschließenden Nische. Vermutlich war sie einstmals mit einer Schartenöffnung ausgestattet, durch die der nordöstliche Zugangsbereich der Anlage bestrichen werden konnte.

 

Der Zugang zum Innern des Turms erfolgt durch eine weitere Türöffnung mit einem im Vergleich zur Vorkammer tiefer ansetzenden Segmentbogen. Im Turminnern ist das Mauerwerk mit vier Wandnischen ausgestattet, wobei die südwestliche und westliche sich heute noch in ihrem zeitgenössischen Zustand präsentieren. Die beiden Nischen im Norden und Nordosten sind hingegen zugemauert bzw. geschlossen. Die zwei erstgenannten Nischen schneiden schräg in das Mauerwerk ein und sind von einem gemauerten Segmentbogen überfangen. Jeweils eine hochrechteckige Schießscharte mit Aussparungen für Prellhölzer weisen auf den Gebrauch von Handfeuerwaffen (Hakenbüchsen) hin. Nach außen erweitern sich die Schießscharten sehr stark zu querrechteckigen Öffnungen. An der Außenseite ist die südwestliche als Maulscharte gestaltet, die westliche weist eine schlichte rechteckige Schartenrahmung auf.

 

Burgruine Walschbronn („Weckersburg“), Kartenausschnitt aus L’Atlas Topograpique Du Comté De Bitche, 1758, Kte. Nr. 44Die vermauerte rechteckige Nische in der nördlichen Turminnenwand weist ähnlich wie jene in der Vorkammer einen geraden Sturz auf. Die nach Nordosten orientierte, von einem leicht bogenförmigen Sturz überfangene Nische birgt eine kreisrunde Schießscharte, die heute aufgrund des dahinter aufgefüllten Burgareals im Erdreich liegt. Die beiden letztgenannten Nischen unterscheiden sich in ihrer Bauart erheblich von ihren Pendants auf der Südwest- und Westseite. Das Mauerwerk des Turms gründet im Norden auf dem als Lager zugerichteten Sandsteinfelsen. Nach Westen hin tritt der sich neigende Felsboden des Turmes vor dem Mauerwerk etwas zurück, so dass anzunehmen ist, dass dieser Bereich einst mit Erde aufgefüllt war. 1828 war der Turm noch ein Stockwerk höher erhalten und nach der Zeichnung von Chenot in dieser Höhenzone wohl ebenfalls mit Schießscharten ausgestattet.

 

Burgruine Walschbronn („Weckersburg“), Grundriss, 2007 (Entwurf u. Zeichnung: Jean-Michel Rudrauf)Der westliche Flankierungsturm. Nach Westen und Südwesten erweitert sich das Burgplateau, und die an der Nordseite verlaufende Ringmauer knickt in ungefähr rechtem Winkel ab, um auf den zweiten, weiter westlich gelegenen Flankierungsturm zu treffen (5). Der seines ursprünglichen baulichen Bezugs zur Ringmauer beraubte, im Grundriss vollrunde Turm misst im Durchmesser 6,20 Meter, seine Mauerstärke beträgt 1,30 Meter. Die drei oberen Steinlagen sind modern ergänzt und der Turm mit einer modernen Betondecke versehen, die über eine neu errichtete Steintreppe zugänglich ist. Ein Großteil der Quadersteine der Außenschale weisen – mit Ausnahme der drei ergänzten Lagen in der oberen Zone – Zangenlöcher auf. Augenscheinlich wurde der Turm in seinem oberen, südwestlichen Drittel und im Südosten in einer früheren Restaurierungsmaßnahme ausgebessert, da an einem nicht
geringen Bereich der Außenschale die Zangenlöcher gänzlich fehlen bzw. das Mauerwerk recht unsauber verfugt worden ist. Eine heute durch ein modernes Metallgitter versperrte Türöffnung gewährt Zutritt in das Innere des Turmes. Dort sind drei horizontal gelagerte, nach außen sich stark erweiternde
Schießscharten vorhanden, die einen größtmöglichen Aktionsradius für den Einsatz von Feuerwaffen gewährleisten sollten. Während die im Innern noch erkennbare nordöstliche Schießscharte wohl im Zuge der Errichtung der Treppe außen zugemauert wurde, verleihen die nördliche und südwestliche Scharte mit ihren breitgelagerten querrechteckigen Öffnungen an der Außenschale dem Turm sein markantes, fortiikatorisches Aussehen.

 

Im Innern sind an allen drei Scharten zu beiden Seiten Aussparungen für das Anbringen von Prellhölzern vorhanden. Der eher geringe Durchmesser der Schartenöffnungen sowie die Einrichtungen zur Verminderung des Schussrückstoßes lassen an den Einsatz von kleinen Feuerwaffen, insbesondere Hakenbüchsen denken. Zudem sind die räumlichen Verhältnisse recht begrenzt. An der nördlichen Schießscharte fällt vor allem rechts in der Schießnische ein länglicher Kanal auf, in den wohl der Lauf einer Hakenbüchse eingelegt werden konnte, um das Schussfeld in Talrichtung zu erweitern. Nach dem Grundriss von 1758 war ein kleiner Bau südwestlich des Turms an die Ringmauer angebaut. Jener Bau ist jedoch fast völlig abgegangen.

 

Das Wohngebäude
Das nur noch in seinem unteren Bereich erhaltene Wohngebäude ist in seinem Grundriss längsrechteckig, weist jedoch im Verlauf seiner Nordostwand eine starke Rundung auf, die ihm ein U-förmiges Aussehen verleiht (6). Seine Innenmaße betragen 11,20 x 8 Meter. Während die Südwest-Ecke über etwas mehr als zwei Stockwerkshöhen erhalten ist, misst die Westmauer an der niedrigsten Stelle in der Höhe ca. 1,30 Meter. Die Mauerstärke beträgt ungefähr 1,20 bis 1,30 Meter. Die Außenfassade der Südseite weist neben einem in der unteren Zone leicht nach vorne springenden Sockel aus gleichmäßig zugerichteten Sandsteinquadern eine sorgfältig gearbeitete Eckquaderung aus größeren hoch- und längsrechteckigen Steinquadern auf. Ansonsten besteht das Mauerwerk der Südseite mit Ausnahme des lagerecht versetzten Quadersockels aus größer und kleiner dimensionierten Werksteinen, die annähernd in Lagen mittels einer qualitativ minderwertigen Versatztechnik aufeinandergeschichtet und vermörtelt wurden. Die großen, sorgfältig bearbeiteten Quadersteine weisen fast sämtlich Zangenlöcher auf. Auch der östlich noch erhaltene Steinrahmen eines Fensters besteht aus unterschiedlich breiten Werksteinquadern. Aufgrund des unansehnlichen, einen äußerst heterogenen Eindruck erweckenden Mauerwerks steht zu vermuten, dass dieses verputzt war, zumal es sich um die dem Dorf zugewandte repräsentative Schauseite handelt.

 

Der Zugang zum Hauptgebäude erfolgt durch eine in die Westmauer eingelassene Tür mit einer lichten Breite von 1,17 Metern. Im Bereich der Südwest-Ecke dieses Gebäudes beindet sich eine Schießnische mit einer Breite von 1,20 Metern. Sie ist von einem lachen Segmentbogen überspannt und birgt eine schmale, querrechteckige Schießscharte für Handfeuerwaffen. Eine nach außen ausgebrochene baugleiche Nische beindet sich in der gegenüberliegenden Ostmauer und war vermutlich ebenfalls mit einer querrechteckigen Schießscharte ausgestattet. Zwei weitere Öffnungen befanden sich im Mauerrund der Nordseite auf der nächsthöheren Stockwerksebene. Vermutlich handelte es sich auch bei ihnen um Schießnischen mit Scharten.

 

Wie im Gebäudeinnern zu erkennen, ruht die gerundete Mauerpartie der Nordseite wenigstens zum Teil auf dem senkrecht zugehauenen Felsen. Auf das Felsfundament folgen glatte Quader; das Aufgehende besteht aus kleinen Quadern mit Füllsteinen und war wohl wie die Außenfassade der Südseite verputzt. Auf Höhe der Mittelachse des U-förmigen Mauerrunds beindet sich eine Schießnische mit einer schmalen, queroblongen Scharte die in Gestalt und Größe jener in der Südwest-Ecke ähnelt.

 

In dem nach Norden orientierten Mauerrund sind zudem noch in unregelmäßigem Abstand fünf auf demselben Höhenniveau beindliche Balkenlöcher erhalten. Sie zeugen von (nachträglichen?) Einbauten; möglicherweise stammen sie von einer (später?) eingebauten Holzbalkendecke. Dafür könnte auch ein in der Mittelachse kurz über dem Bodenniveau in das Felsfundament geschroteter Balkenkanal für den Einbau eines (Holz-) Ständers sprechen, über dem sich zudem ein in die Mauer eingearbeitetes Balkenloch beindet.Die Südwand ist auf der Innenseite teilweise aus großen Quadern mit Zangenlöchern aufgeführt. Sie weist zwei große, rechtwinklige Fensternischen von 1,94 Metern Breite auf, welche ebenerdig auf Laufhöhe liegen. Die (Stichbogen-) Nischen sind mit je einem großen Hochrechteckfenster ausgestattet. Von dem östlichen ist noch das ursprünglich mit einem steinernen Mittelstock versehene Außengewände erhalten. Auf der Zeichnung von 1828 ist der Nischenbogen noch in erhaltenem Zustand eingezeichnet, wohl irrtümlich bogenförmig. Über der westlichen Fensternische ist noch ein gerundet zugerichteter Steinquader als Ansatz eines mächtigen Segmentbogens zu sehen. Achsial darüber gelegen befand sich im zweiten Stockwerk wahrscheinlich ein weiteres Fenster, wie an der noch erhaltenen Partie einer Fensternische zu erkennen ist.

 

Gegenüber der Tür beinden sich an der Westmauer innen die Reste eines Kamins von 2,30 Metern Breite. Von ihm sind noch der in den Raum vorspringende rechteckige Sockel, die im rechten Winkel in die Außenmauer einschneidende Feuerstelle sowie links und rechts Aussparungen (vermutlich die Lager für die Kaminwangen) vorhanden.

 

Topographie
Die frei zugängliche Burgruine beindet sich am südwestlichen Ausläufer des Schankenbergs über dem Ostteil des Dorfes Walschbronn. Sie ist in Richtung Kröppen über eine von der D 35 abzweigende, bergansteigende Gasse zu erreichen. Ein an einer Mariengrotte vorbeiführender Fußweg bzw. ein etwas weiter bergauf zur Burgstelle führender Fahrweg ermöglichen den Zugang zur Wehranlage.
Die Burg ist auf einem recht geräumigen Felsplateau in Spornlage errichtet.


49*8’56,4’’           N 7*29’6,3’’O
RW: 2608326    HW: 5446704


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lexikon_4b.jpgDer Artikel wurde in gekürzter Form entnommen aus: Pfälzisches Burgenlexikon, Bd. 4, St –Z, hrsg. v. Jürgen Jürgen Keddigkeit, Ulrich Burkhart und Rolf Übel, Kaiserslautern 2007. Teil eins und zwei des 4. Bands des pfälzischen Burgenlexikons beinhalten Artikel über 113 bzw. 89 Burgen, Burgruinen und Burgstellen, ISBN 3-927754-48-X. Dieses Doppelwerk sowie die Bände 1, 2 und 3 sind in allen Buchhandlungen zum von Preis von jeweils € 39.90 erhältlich.

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