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Kleinfrankreich (VG Dahner Felsenland)

Kleinfrankreich, Luftaufnahme von Nordosten, 1996 (Aufnahme: Manfred Czerwinski, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde)Die frühe Geschichte der Anlage ist ungeklärt, insbesondere ist das Entstehungsdatum unbekannt, denn für das in der Literatur häufi ger genannte Erbauungsdatum 1484 gibt es keinen konkreten Beleg. Allerdings lassen Bauform sowie der zeitgleiche Um- und Ausbau des Berwartsteins durch Hans von Trotha eine Entstehungszeit gegen Ende des 15. Kleinfrankreich Jahrhunderts möglich erscheinen. 1511 wird der Turm als „Thurm Frankreich“ in einem Vertrag zwischen Kurpfalz und Christoph von Trotha, dem Sohn des mutmaßlichen Erbauers, genannt. Erwähnt werden der Turm, die Gebäude, die Zugehörungen und der Berg, auf dem er steht.

 

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Das Bauwerk und der dazugehörige Berg werden in diesem Vertrag erstmalig als zur Burg Berwartstein gehörig genannt. 1544 verpflichtet sich Christoph von Trotha, die Burg und den Turm baulich zu erhalten. 1584, nachdem die Fleckensteiner Herren von Burg und Turm geworden waren, wird der Turm Kleinfrankreich noch einmal ausdrücklich als Bestandteil der Zugehörde der Burg Berwartstein genannt. Die Burg brannte 1591 aus, der Turm scheint aber noch unterhalten worden zu sein, obwohl er seine eigentliche
Funktion verloren hatte. 1663 wird der Turm Kleinfrankreich noch einmal genannt. Die Anlage wurde, so Peter Gärtner, endgültig in den Revolutionskriegen zerstört. Das in Gemeindebesitz befindliche Bauwerk, das an Privatleute vermietet war, wird derzeit (2005) grundlegend saniert.

 

Baubeschreibung


Kleinfrankreich, Turm von Nordosten, 1996 (Aufnahme: Uwe Welz)Bei dem Turm Kleinfrankreich handelt es sich um den Typus eines abgesetzten Artillerieturmes. Er soll durch einen heute verschütteten unterirdischen Gang mit der Burg Berwartstein in Verbindung gestanden haben. Der Zugang zu dem Gang führte von den Kasematten im Untergeschoss der Burg in Richtung des Nestelberges. Für eine permanente Bewohnung war der Turm nicht eingerichtet, ein heute vorhandener Kamin ist ein späterer Einbau. Daher ist die von Michael Frey geäußerte Annahme, der Turm habe als Burgmannensitz gedient, genauso zu verwerfen wie der Hinweis auf ein „Raubritternest“. Kleinfrankreich war ein Kleinfrankreich, Brunnen und Scharte von Nordwesten, 1996 (Aufnahme: Uwe Welz)Vorwerk der Burg Berwartstein und somit ein reiner Wehrbau. Es handelt sich um einen massigen Rundturm von 3,20 Metern Mauerstärke, er hat einen Durchmesser von 14 Metern und auch in etwa diese Höhe. Ein Dach fehlt. Verwendet wurden glatte, bis zu 50 Zentimeter hohe Rotsandsteinquader, teilweise mit Zangenlöchern und niedrigen Ausgleichsschichten. Die Eingänge zu den beiden Geschossen liegen im Norden, haben geraden Sturz und sind tonnengewölbt. Der Zugang zum zweiten Geschoss kann nur über eine außenliegende Treppe erfolgt sein.

 

Kleinfrankreich, 1674/ 75-1715 (Ausschnitt aus: BEAURAIN 1782, Bl. 4; Slg. Willi Fallot- Burghardt; Repro: Bärbel Fallot-Burghardt,2005)Sechs Schießscharten, drei in jedem Stockwerk, sind in die Mauer eingefügt. Zwei Luft und Lichtschlitze durchbrechen die Mauer vom ersten Stockwerk nach schräg oben. Die Schießscharten haben querrechteckige Ausschussöffnungen mit steinernen Sturzbalken. Die Wände sind geschrägt, die inneren Öffnungen sind hochrechteckig. Mauerkanäle dienten für die Verschlussbalken der Schartenöffnungen. Die Scharten befi nden sich im Erdgeschoss in Stichbögennischen, im Obergeschoss sind sie rundbogig überwölbt. Diese Ebene ist gekuppelt in Ringschichtung abgeschlossen, die Scheitelöffnung ist quadratisch.

 

Vor dem Turm befindet sich ein Zisternenschacht, in dem wohl das Traufwasser gesammelt wurde. Der Turm war von einer Ringmauer umgeben. Reste eines Tores haben sich nicht erhalten. Das Bauwerk wird als Artillerievorwerk der Burg Berwartsein angesprochen. Inventare über die Bestückung des Turmes liegen nicht vor. Eckhard Braun stellte 1997 trotzdem Hypothesen über die in dem Turm stehenden Feuerwaffen auf. Seiner Ansicht nach deuten die Scharten des Erdgeschosses auf die Verwendung von Doppelhakenbüchsen hin, wahrscheinlicher noch auf die Verwendung von Arkebusen. Die Scharten im Obergeschoss sprächen für die Verwendung von niedrig lafettierten Kleinkanonen von bis zu zwei Pfund Geschossgewicht. „Seinen eigentlichen Rang als ,Geschützturm‘ erhielt Kleinfrankreich jedoch erst durch die Möglichkeit, auf seiner heute vollständig verschwundenen Dachplattform zwei langrohrige Geschütze (Schlangen), bis zu 7-pfündigen, in Stellung zu bringen. Mit ihnen allein schon wäre es möglich, die Senke und den Talweg zwischen Nestelberg und Berwartstein völlig abzuriegeln“ (BRAUN 1997, S. 406).

 

Grundriss

 

Kleinfrankreich, Obergeschoss- Grundriss und Längsschnitt (aus: KD PS 1957, S. 298)

 

 

Topographie

Kleinfrankreich, in unmittelbarer Nähe der Burg Berwartstein bei Erlenbach gelegen und auf markiertem Wanderweg leicht zu erreichen, ist im Innern nicht frei zugänglich. Knapp 300 Meter südlich des Berwartstein erhebt sich der Turm „Kleinfrankreich“, ein artillerietragendes Vorwerk der vorgenannten Burg, auf dem 318 Meter über NN liegenden nördlichen Ausläufer des Nestelberges.

 

49*6’21,4’’N 7*51’49,2’’O
RW: 3417039 HW: 5441476

 

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Das Buch zum Bericht - Das Pfälzische Burgenlexikon

 

Burgenlexikon Band IIIDer Artikel wurde in gekürzter Form entnommen aus: Pfälzisches Burgenlexikon, Bd. 3, I - N, hrsg. v. Jürgen Keddigkeit, Ulrich Burkhart, Rolf Übel (Hrsg.), Kaiserslautern 2005. 832 S. mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen und Plänen, ISBN 3-927754-54-4.
Dieses Werk sowie die Bände 1, 2 und 4 sind in allen Buchhandlungen zum von Preis von jeweils € 39.90 erhältlich.

 

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