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Brauchtum
Der Reithaken – ein vergessenes Küferwerkzeug
Autor: Rudolf Wild, Annweiler   

Typisches Küferzeichen in HainfeldBei den Handwerkszeichen der Küfer werden in der Regel zwei gekreuzte Haken dargestellt, die im Pfälzischen Wörterbuch als „Reithaken“ bezeichnet werden.[1] Im Landkreis Südliche Weinstraße lässt sich dieses Symbol als Handwerkszeichen der Küfer an rund 100 Gebäuden nachweisen. Ergänzt werden diese Haken in der Regel durch den Küferhammer (Schlegel) und/oder ein Fass. (Mit "Küferschlegel" kann ein Holzhammer gemeint  sein, aber auch ein Hammer mit unterschiedlich ausgerichteten Finnen, wie er zum Losklopfen des Weinsteins im Fass verwendet wird).

 

Der Reithaken besteht aus einer rechteckigen Eisenstange, die in einer Krümme endet und einem darauf sitzenden beweglichen Läufer (= „Reiter“?). Diese Haken sind heute bei den Küfern weitgehend in Vergessenheit geraten und auch der Name „Reithaken“ ist kaum bekannt. (Reinhard Wolf aus Marbach weist darauf hin, dass zwei vor Jahren verstorbene Küfer den Begriff "Hebetse" verwendeten, der mit "Heben" =schwäbisch für Halten verwandt ist.)  Dabei war dies ein unentbehrliches Werkzeug, das bei der Herstellung von Fässern vermutlich für mehrere Arbeitsvorgänge verwendet wurde.

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Als der noch Storch die Kinder brachte
Autor: Rudolf Wild, Annweiler   

Rudolf Wild - Das Osterbrünnel am Rothenberg bei WernersbergFast jedes Dorf hatte früher seinen Kindelsbrunnen
Während in den Talauen östlich von Landau der Weißstorch wieder heimisch geworden ist, ist längst in Vergessenheit geraten, dass es auch im Raum Annweiler ausgedehnte Queichwiesen gegeben hat, in denen Störche vorgekommen sind.

 

So zeigt ein Foto aus dem Jahre 1903 die alte Gendarmerie zwischen Pfarrhaus und Stadtkirche, wo es auf dem Dach ein Storchennest gab. Die weißen Hinterlassenschaften auf der Dachfläche belegen, dass das Nest damals noch benutzt wurde. Und von Queichhambach wird berichtet, dass sich um 1900 ein Storchennest auf dem Kirchendach befunden haben soll.

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Auf den Spuren seltsamer Sternsingerbräuche
Autor: Rudolf Wild, Annweiler   

Sternbuben aus dem Gossersweiler Tal besingen die Ankunft des Herrn, Holzschnitt von Otto KörnerWas es so alles nicht mehr gibt …

Wenn jetzt wieder die Sternsinger durch die Straßen ziehen, dann berufen sie sich auf altes Brauchtum und sammeln Geld für Entwicklungshilfeprojekte, um Not leidende Kinder in fernen Ländern zu unterstützen. Ihre Gestalten erinnern an die drei Könige, die einst zum Stall von Bethlehem gepilgert sind, um das Jesuskind anzubeten. Dabei wird in der Bibel weder die Dreizahl genannt noch dass es Könige waren. [1] Es wird viel mehr von Magiern oder Sterndeutern gesprochen, die aus dem Morgenland kamen. Der Holzschnitt, in dem Otto Körner die Wasgauer Sternbuben darstellt,[2]erinnert daher auch nicht an Könige, denn die Buben tragen hohe Mützen, die eher an die Zauberer der Märchen oder an babylonische Priester erinnern.

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Gottfried Kellers "Grüner Heinrich" als Pfingstquack
Autor: Helmut Seebach, Mainz   

Gottfried Kellers "Grüner Heinrich" als PfingstquackIn der (pfälzischen) volkskundlichen Literatur wird bis heute der Pfingstquack stets und ausschließlich - und fälschlicherweise - als Maskengestalt und Fruchtbarkeitsdämon gesehen. Nach dem Ermessen der Volkskundlerin Eva Labouvie seien sogar Bezeichnung und Herkunft des Pfingstquack bis heute nicht geklärt:

"Der Ursprung dieser vor allem im südwestdeutschen und hier besonders im saarländischen Raum beheimateten Quacksitte, die in der Nacht vor Pfingstsonntag ihren Anfang nahm, bleibt, ebenso wie ihre Bezeichnung, auch unter Hinzuziehung von Quellenmaterial aus dem 17. und 18. Jahrhundert ungeklärt." 

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Warum der Eier legende Osterhase ein „Narr“ ist
Autor: Helmut Seebach, Mainz   

Narrenbrüten. Holzschnitt von Urs Graf, aus Thomas Murner: Narrenbeschwörung, Straßburg 1512.Osterhase, Osterei und Osternest sind allgemein die volkstümlichen Elemente des Osterfestes und bilden als dominante Dreiheit das profane Gegenstück zum sonst kirchlich geprägten Fest. Ihre Herkunft ist keineswegs im heidnischen Glauben zu suchen und auch nicht mit einem germanischen Fruchtbarkeitskult zu erklären, wie uns alljährlich immer wieder aufs Neue die Medien glauben machen. Der in den März und April fallende Festkomplex mit dem Sonntag Lätare (Sommertag) und dem Osterfest gibt dem Frühsommer sein eigenes Gepräge. Während auf die Scherzfrage, was zuerst da gewesen sei, Huhn oder Ei, zwei Antworten möglich sind, ist die berechtigte Frage, ob es zuerst das Osterfest oder den Eierkult gab, auch nur zweideutig zu beantworten: Es waren Fastnacht und Sommertag, die an aller Anfang standen.

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Sommertag - Der Jüngling zu Nain oder: Warum wir den Winter verbrennen
Autor: Bruno Hain   

Der Sonntag Lätare, bei uns auch als Sommertag oder Stabaus bekannt wird, nicht nur bei uns, mit Umzügen und einer Winterverbrennung gefeiert. Dabei setzt sich das Lätarefest in Iggelheim aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen zusammen.

Der erste Teil davon ist das so genannte Weckvermächtnis, das auf einer alten Stiftung beruht. Pfarrer Thelemann schrieb dazu 1856: „Vor langer Zeit hatte eine ‚ledig verstorbene Weibsperson’ einen Acker der Kirchengemeinde vermacht. Für den Pachtzins sollten Wecken angekauft und auf den ‚Sommertag’, den Sonntag Laetare, in der (reformirten) Kirche an die Jugend ausgetheilt werden.“ Über den Acker, den Pachtzins, die Wecken und wer diese bekommen sollte wurde immer wieder gestritten und ein letzter Prozess im Jahre 1788 schuf die heutigen Fakten: Die Gemeinde wurde Eigentümer des Ackers und auch dazu verpflichtet für die Wecken zu sorgen, von denen jeder „ledige Einwohner der Gemeinde“ an dem besagtem Sonntag einen bekommen sollte.

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