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Die Eibe (Taxus baccata) der Baum der Auferstehung

Zeichnung Ute Knieriemen-WagnerDie Eibe war früher in den Wäldern unserer Heimat weit verbreitet. Da sie nur sehr langsam wächst, wegen ihres festen und elastischen Holzes aber von jeher sehr begehrt war, ist sie heute als Waldbaum fast verschwunden. Ein weiterer Grund ihrer Ausrottung sind ihre sehr giftigen Beeren. Da früher das Holz mit Pferden gefahren –und gerückt wurde, waren Holzfäller und Fuhrknechte schnell mit der Axt zur Hand erkannten sie eine Eibe. Die wenigen noch vorhandenen Bestände sind als Naturdenkmäler geschützt. Häufig finden wir die Eibe als Gartenschmuck in Vorgärten und Parkanlagen. Sie erträgt Verstümmelungen in der Krone leicht und eignet sich daher auch zur Anpflanzung „lebender Hecken“, was unsere heimische Vogelwelt mit Genugtuung wahrnimmt. Im Gegensatz zu unseren heimischen Nadelhölzern, ist der immergrüne Baum oder Strauch, zweihäusig und vollkommen harzlos. Seine breiten zweiteilig angeordneten Nadeln enthalten ein starkes Gift. Die weiblichen Blüten weisen nur eine Samenanlage auf, aus der eine Scheinbeere hervorgeht. Diese besteht aus den dunkelbraunen, giftigen Samen und einem scharlachroten, fleischigen „Samenmantel“, der von fruchtfressenden Vögeln gern verzehrt wird. Nach der griechischen und römischen Mythologie ist der Weg zur Unterwelt mit Eiben gesäumt. In allen Kulturen, welche die Eibe kannten, galt sie als heiliger Baum. Sie war immer mit dem Todbringenden Aspekt der Götter verknüpft. 

 

Auf Friedhöfen findet man sie heute noch sehr oft. Eiben können bis zu 2000 Jahre alt werden. In der Bretagne glaubte man früher, von Eiben, die man als Bäume des Todes betrachtete, dürfte nur je ein Exemplar auf einem Friedhof wachsen, da sie ihre Wurzeln in die Münder aller dort begrabenen Toden senkt. Den Germanen war die Eibe heilig. Sie widmeten dieser ihre „ihwaz Rune“. Krankheit und Unheil sollte die Eibe, als auch ihre Rune abwehren. Eiben säumten auch viele heiligen Plätze, wo Gottesdienste und Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden.

 

Der Name der Eibe ist uralt und stellt einen gemeingermanischen Baumnamen dar.

 

Er kommt im Angelsächsischen als „iw eow“ vor und lautet im althochdeutschen „iwa“, im mittelhochdeutschen „iwe“.„Iwinboum“ das ist Baum und Bogen aus Eibenholz. Ob „iwa“ verwandt ist mit „ewa“, also Ewigkeit (lat. aevum – ewige Zeit), sei dahingestellt. In diesem Falle würde sich der Sinn etwa mit sehr langer und immergrüner Lebensdauer des Baumes decken.

 

Wenn auch heute nur noch wenig bekannt, so verkörpert die Eibe, als ehemaliger Wildbaum unserer heimischen Forsten und Wälder, dennoch in ihrem Jahrtausend währendem Vernichtungskampfe ein Sinnbild urwüchsiger, trutziger Kraft und finsterer Tragik. Es ist eine feststehende Tatsache, dass die Eibe als europäisch-westasiatischer Baum neben der Fichte, Eiche, Tanne und Buche während der ältesten Zeiten in ganz Germanien heimisch war, und früher eine weitaus größere Verbreitung hatte als heute. Noch heute lassen einige Orts-und Flurnamen auf alte Eibenstandorte schließen : Taxberg, Ibersheim, Iba, Ibach und Taxöldern.

 

Die bei den Untersuchungen der Lagerschichten der Nord und Mitteleuropäischen Moore, der Braunkohle, der Pflanzenreste der schweizerischen und österreichischen Pfahlbauten und anderer prähistorischer Kultstätten (z.b. Gräber) zu Tage getretene Holzteile , haben den unumstößlichen Beweis geliefert, dass die Eibe einst stark in unseren Wäldern vertreten war. Allerdings möchte ich einige Autoren anzweifeln, die behaupten die Eibe wäre einst waldbildend im Sinne wie Eiche, Buche , Fichte oder Tanne gewesen. Dagegen spricht ihr äußerst langsamer Wuchs, ihre große Schattenbedürftigkeit, ihre ziemlich hohe Anforderung an den Boden und ihre wie schon erwähnte Zweihäusigkeit. Cäsar sagte von ihr: „Taxo cuius magna in Gallia Germaniaque copia est“. Verbürgt also reiche Vorkommen in Deutschland.

 

Der zur Jagd und Kriegsführung unentbehrliche Bogen wurde aus ihrem zähen Holz hergestellt. Außerdem lieferte sie das Material zur Anfertigung von größeren Trinkgefäßen, Fässern, Zimmergeräten , Zapfen , Wasserrädern. Aber auch zur Herstellung von Häusern und Hafenbauten, zu Zaun, Grenz und Rebenpfählen wurde sie genutzt. Ihren Saft nutzte man zur Vergiftung von Pfeil und Speerspitzen. Wie schon erwähnt finden wir die Eibe auch in der religiösen Gedankenwelt der Germanen. Nach altnordischer Anschauung ist der Markt der Götterstadt Asgard mit Eibenholz gepflastert, während Ull, die Gottheit der winterlichen Natur, als vorzüglicher Bogenschütze, die Waffe aus Eibenholz meisterlich zu führen weiß und sich im „ Eibtal“ eine weite und prächtige Halle erbaut. Auch die Hexen und Zauberer bemächtigten sich der Eibe als Zauberpflanze. Eibenzweige bildeten Mittel für Be – und Entzauberungen. Als Europas ältester Baum gilt die berühmte Eibe von Fortingall in Schottland, die nahezu 3000 Jahre alt sein soll.

 

Seit 1958 suchten Wissenschaftler in den USA nach pflanzlichen Stoffen, die eine abtötende oder hemmende Wirkung auf die Vermehrung von Krebszellen haben. Sie testeten30 000 verschiedene Pflanzen. Ein Wirkstoff aus der Rinde der pazifischen Eibe (Taxus brevifolia) konnte gewonnen und bereits 1971 identifiziert werden: „Paclitaxel“. Er verändert bestimmte Eiweißstoffe, die eine wichtige Funktion bei der Zelleinteilung haben. Die Moleküle passen nicht mehr zusammen, so das keine Zellteilung mehr statt finden kann. In der Folge weiterer Versuche und klinischer Anwendung bei jährlich 12ooo Erkrankten wurde deutlich, dass die Behandlung nur eines Patienten zwei Gramm der Substanz Paclitaxel erfordert.Diese Menge ist aus der Rinde einer 600 Jahre alten Eibe zu gewinnen. Allerdings: Der rindenlose Baum stirbt ab. Dringlich fing man nun an ein alternatives Verfahren zu suchen um den Wirkstoff Paclitaxel zu finden. Man fand ihn, allerdings erst die chemische Vorstufe, in den Ästen und Zweigen der europäischen Eibenart, es wird wohl noch seine Zeit dauern, bis er gefunden ist, dennoch, auch die Eibe wird somit wie viele Bäume zu einem Lebensbaum.

 

Über die geheimen und dunklen Kräfte die angeblich in der Eibe walten, berichtet uns Shakespeare in seinem „Macbeth“. Hildegard von Bingen lässt die Eibe aber wieder zum Lebensbaum werden, wenn sie schreibt: „ De Ybenbaum ist ein Sinnbild der Fröhlichkeit“ und rät sogar, den Rauch seines Holzes gegen Schnupfen und Husten einzuatmen.

 

In Trippstadt finden wir die Eibe hier und da vereinzelt, ein besonders hervorzuhebender Bestand steht bei der historischen Amseldell.

 

Die Eibe

schlägt an die Scheibe.

Ein Funkeln

im Dunkeln.

Wie Götzenzeit, wie Heidentraum

blickt ins Fenster der Eibenbaum

                                   Theodor Fontane

 

 

Literatur:
Hildegard von Bingen: op. cit. Seite 73
Heinrich Marzell: Ethnobotanische Streifzüge. Freiburg 1922
Robert Graves: The white goddes. London 1962
Wilhelm Mannhardt: Der Baumkultus der Germanen. Berlin 1875

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