Märchen und Sagen aus der Pfalz

Wer hat noch nicht von den Elwetritschen tief im Pfälzer Wald gehört? Als Kreuzung aus Enten, Gänsen und Hühnern, haben sie sich einst mit Elfen und Kobolden gemischt und durchstreifen seitdem unsichtbar die Pfalz. Ab etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts erreichten diese Erzählungen eine solche Popularität, dass sich selbst Künstler diesem Thema annahmen. Aus dieser Zeit stammen auch Abbildungen, die Elwetritschen mit einem Geweih darstellen oder auch die Variante mit ausgeprägten weiblichen Rundungen. Dass die Eier aus denen die kleinen Elwetritschen schlüpfenden - im Gegensatz zu allen anderen Eiern zu wachsen vermögen, beweist gar der Elwetritschenbrunnen in Neustadt/Weinstraße. Er zeigt Elwetritschen-Eier in unterschiedlichen Wachstumsstadien.

Die Pfalz ist nicht nur das Land der Feste und Weine, sondern auch eine Region, die es versteht mit ihren wunderschönen Legenden zu verzaubern.

Der böse Räuber vom Wolfsberg

Ganz in der Nähe im Tal zu Neustadt befinden sich über einem Eisenbahntunnel noch die Überreste der Burg Wolfsberg. Vor langer Zeit hauste hier ein grausamer Räuber, der Wandersleute heimtückisch überfiel und ausraubte. Ein dunkler Wächter machte den Räuber von einer hervorstehenden Felsenplatte darauf aufmerksam, wenn sich ahnungslose Leute der Burg näherten. Noch heute sind dessen Fußspuren auf dem Felsen erkennbar.

Die Bewohner Neustadts wollten sich stets von ihrem Leid befreien, doch der Räuber war äußerst klug. Keiner konnte den Schuft überwältigen. So beschlug er die Hufeisen seines Pferdes umgekehrt, um so eine falsche Fährte zu legen.
Eine geheimnisvolle Dame lud den Räuber schließlich eines abends zu sich ein. Der Räuber erschien wirklich und konnte so leichter als gedacht überwältigt werden. Als man jedoch schnell das lange zuvor beschlossene Todesurteil fällen wollte, befreiten ihn seine Knechte und Freunde. Diese konnten ihn leicht ausfindig machen, da der Räuber vorsorglich auf seinem Weg durch die dunkle Nachte eine Spur mit Erbsen legte.
Was danach aus dem Bösewicht wurde, weiß Keiner. Allerdings munkelt man, der Teufel habe ihn schließlich geholt.

Nach Friedrich Blaul, Träume und Schäume vom Rhein, 1838


Der Teufelstisch

Der mächtige steinerne Teufelstisch, das Wahrzeichen des Dahner-Felsenlandes, ist umgeben von einer geheimnisvollen Sage. Eines Nachts ging der Teufel hier spazieren. Sehr müde und hungrig suchte er nach einem Rastplatz. Mit glühenden Augen durchforstete er den gesamten Pfälzerwald. Nirgends konnte er eine Stelle finden, die seinem Anspruch gerecht wurde. Voller Wut und Zorn ergriff er drei riesige Felsbrocken und richtete sie zu einem Tisch zusammen. Nachdem er dort gespeist hatte, brach er wieder auf. Den Tisch ließ er zurück.
Als die ersten Sonnenstrahlen die Nacht vertrieben, erblickten die Menschen das Werk. Viele waren sich sicher „Hier muss der Teufel gespeist haben!“ Nur einer gab sich mutig und ungläubig. „Das kann nicht sein, dann will ich die folgende Nacht sogleich mit ihm speisen!“.
Als die Sonne hinter den Felsen langsam verschwand, zog der junge Mann los. Zur zwölften Stunde unterbrach in weiter Ferne ein bitterlicher Schrei die Ruhe der Nacht. Der junge Mann ward nie wieder gesehen und das geheimnisvolle Werk bekam den Namen „Teufelstisch“.

Nach Henri Frank, Pfälzische Sagen, 1990


Der Schatz auf Hohenfels

Am Südhang des Donnerberges, ganz in der Nähe des Dorfes Imsbach stand vor langer Zeit die Burg Hohenfels von der heute lediglich noch wenige Reste erhalten sind. Damals soll eine silberne Treppe zu dem malerischen Gebäude geführt haben. Zudem sind hier Schätze verborgen, die von Berggeistern gehütet werden.

Vor mehr als 100 Jahren begab sich eines Nachts eine Gruppe junger Männer zu der Ruine um den sagenhaften Schatz zu bergen. Plötzlich standen Sie vor einem sehr hell erleuchteten Gewölbe, von dem am Tage noch niemand etwas bemerkt hatte. Vorsichtig traten Sie ein und sahen eine steinerne Tafel die über und über mit Schmuckstücken beladen war. Direkt daneben befand sich ein geheimnisvoller Schlüssel.
Vor der Tafel wachte jedoch ein Berggeist. „ Ihr könnt den Schatz mit samt dem Schlüssel gerne euer eigen nennen, wenn ihr mir einen Gesellen aus eurer Mitte schenkt!“ erwiderte der furchterregende Berggeist den jungen Männern. Nach kurzer Beratung war schnell ein Opfer gefunden. Der auserwählte Mann ergriff jedoch rasch die Flucht. Erst weitab im Wald überwältigten die Männer den Flüchtling. Als sie an den sagenhaften Ort  zurückkehrten, war das Gewölbe spurlos verschwunden. Nur in der Tiefe des Waldes, in weiter Ferne, vernahmen Sie ein unheimliches Geheul. Bis heute versuchen Wanderer bei Einbruch der Dämmerung den Schatz zu finden; bislang vergeblich..

Nach Alexander Schöppner, Sagenbuch der bayrischen Lande, 1852


Wie die vom Brudermord am Neidenfels und der Schatz von Lichtenstein

Zu Füßen der Burgruine Neidenfels liegt das kleine Papiermacherdorf gleichen Namens, westlich von Neidenfels liegt die Burgruine Lichtenstein. Die beiden Burgen waren im Besitz zweier Brüder, der Herr der Burg Neidenfels trachtete jedoch nach dem Besitz der Burg Lichtenstein. Er tötete seinen Bruder hinterhältig mit einer Armbrust und kam so in den Besitz der Burg.

Der Schatz von Lichtenstein

Lange Zeit später, als von den einst stolzen Burgen nur noch Ruinen übrig waren, ließen zwei Jungen ihre Ziegen nahe der Ruine Lichtenstein weiden. Gegen Abend riefen die Glocken der Nikolauskapelle zur Heimkehr, doch die beiden stattlichsten Ziegen waren nicht zu sehen. Ohne diese beiden Tiere konnten die beiden Brüder sich nicht nach Hause trauen. Sie begaben sich auf die Suche und einer der Jungen begegneten dabei an einer Felsspalte einer weißen Frau. Statt ihm seine Ziegen zurück zu geben, füllte sie seine Taschen, so dass sie ganz schwer wurden. 'Davon kannst Du Dir eine ganze Herde neuer Ziegen kaufen. Du darfst aber erst in Deine Taschen schauen, wenn Du zu Hause angelangt bist.' Der Junge erzählte seinem Bruder von der seltsamen Frau, der gleich neugierig in seines Bruders Taschen griff und nur Ziegenmist in den Händen hielt. Als die Jungen zu Hause angekommen waren, griff der Junge in seine Taschen und hielt plötzlich Gold in seinen Händen. Die weiße Frau soll noch heute die Schätze in ihrer Felsspalte hüten.


Der Wetterstein in Eisenberg

Noch bis zum zweiten Weltkrieg befand sich zwischen Eisenberg und Königshofen ein geheimnisvoller alter verwitterter Stein.
Vor einigen Jahrhunderten ereigneten sich über Eisenberg furchtbare Gewitter. Eines wollte nicht mehr enden. Am sechsten Gewittertag zogen zwei Mönche hinaus, die sogleich erschlagen wurden. Am zehnten Tag traute sich ein weiterer hinaus, der ebenso den Tod fand. Nach vierzehn Tagen war das Gewitter nun endlich vorbei. Zum Gedenken und als zukünftigen Schutz setzte man auf die Wasserscheide ein Wetterkreuz. Von nun an zogen die Bewohner bei herannahenden Gewittern hinaus zum Wetterkreuz und vertrieben durch ihre Gebete die Unwetter.


Die Klausnerin vom Nonnenfels

Der starrköpfige Graf von Leiningen hatte eine liebliche Tochter namens Adelinde, die sich in einen einfachen Knappen am Hofe verliebte. Der ungemache Vater scheuchte den Knappen vom Hof, der darauf hin ins heilige Land zog, wo er den Tod fand. Adelinde wurde, nachdem sie die schreckliche Nachricht empfangen hatte, eine Ordensschwester. Ihr Heimweh zog sie jedoch zurück in die Heimat und sie wurde zur Klausnerin auf dem Nonnenfels. Von dort konnte sie auf die Hardenburg ihres Vaters hinüber blicken. Bei einem Ausritt verletzte sich der Graf eines Tages schwer und keiner vermochte ihm zu helfen. Adelinde ging hin und pflegte ihren Vater gesund, ohne ihm jedoch zu sagen wer sie war. Als Graf von Leiningen wieder gesund war, ging er zu den Nonnen und erkannte nun seine Tochter wieder. Er bat sie in seine Burg zurückzukehren, doch Adelinde blieb als Klausnerin und half dort den Armen und Kranken.


Der Schwarze Reiter vom Galgenwald

(nach Rudolf Bechberger; eingereicht von Ina Schmidt)

Schon in sehr früher Zeit führte eine vielbenutzte Handelsstraße, die sogenannte Hochstraße (Hoch Stroß), von Kaiserslautern über Alsenborn durch den Stumpfwald nach Worms. In dem großen Waldgebiet hielt sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts viel Raubgesindel auf. Wenn darum ein Handelsmann mit seinen Waren Richtung Wormsgau zog, nahm er sich zum Schutz einige Berittene mit. Man nannte sie "Geleitsreiter".

Es war im November des Jahres 1689, als auf der Straße durch den Stumpfwald, dessen Ausläufer bei Neuhemsbach "Galgenwald" genannt wurde (Hier stand der Galgen zur Demonstration der Hohen Gerichtsbarkeit der Herrschaft Neuhemsbach), drei Geleitsreiter Kaiserslautern zustrebten. Sie hatten am Tage zuvor einen Handelsmann sicher nach Worms geleitet. Jetzt befanden sie sich auf dem Heimweg zur Barbarossastadt, als sie ein Pferdefuhrwerk überholten, das eine schwere Last transportierte. Vorn neben dem Fuhrknecht saß ein vornehm gekleideter Mann, an dem man unschwer den reichen Städter erkennen konnte. Den Kragen seines schweren, pelzbesetzten Mantels hatte er hochgeschlagen, um sich gegen den rauen Novemberwind zu schützen. "Es muss schon etwas ganz Besonderes sein, was dieser hier weit über Land befördert", sagte einer der Reiter, der sich durch sein pechschwarzes Haar und seinen spitzen Schnurrbart von den anderen abhob. "Du hast Recht", sagte sein kleinerer, rundlicher Begleiter. "Ich hätte schon mal Lust nachzuschauen, welch wertvolles Gut der Städter hier unter der Plane hat und vermutlich hier irgendwo im Wald verstecken will. Ein vorsichtiger Kaufmann würde sich in diesen unsicheren Zeiten nicht ohne Geleitschutz durch den finsteren Stumpfwald wagen". "Das wirst du bleiben lassen, vornehme Reisende auf der Straße belästigen. Schließlich sind wir keine Raubritter, sondern Geleitsreiter und unserer Ehre und Zunft verpflichtet". So ließ sich der dritte Reiter vernehmen. Er war der Älteste und wie man vermuten kann der Anführer der kleinen Truppe. Dann zogen sie wieder schweigend weiter. Der im düsteren Abendlicht stehende finstere Wald lud zu Stillschweigen geradezu ein. Das Ächzen und Poltern des schweren Pferdewagens verklang hinter ihnen und war bald nicht mehr zu hören.

Der Schwarze aber hatte den Vorfall längst noch nicht vergessen. Der Gedanke ließ ihn nicht los: "Was mag der vornehme Städter durch den entfernten finsteren Wald transportieren. Fremdes Kriegsvolk ist im Land. Raubgesindel macht die Wege unsicher. Städte und Dörfer sind vom Krieg zerstört. Hungernde und Obdachlose ziehen umher. Der Fremde nimmt trotzdem das Wagnis auf sich, durch diesen endlos scheinenden Wald allein und ohne Geleitschutz zu ziehen".

Er wollte es herausbringen und legte sich einen Plan zurecht. Der Abend brach schnell herein, als sich die drei dem Dorf Alsenborn näherten. "Ich schlage vor", sagte der Schwarze, "dass wir uns in der Randecker Schänke noch eine Kanne Wein zu Gemüte führen." Er nahm mit Sicherheit an, dass die anderen ablehnen würden, um noch vor der Dunkelheit die Stadt zu erreichen. So geschah es denn auch. "Du weißt, wenn die Stadttore geschlossen sind, haben wir Ärger", sagte der Anführer. "Auf mich wartet niemand in Lautern", sagte der Schwarze. 
"Meine Kehle ist wie ausgedörrt, ich muss sie anfeuchten." Mit diesen Worten verließ er die anderen und trabte in Richtung Randecker Schänke davon. Er kehrte aber nicht ein, sondern versteckte sich im Walde. In seinem Versteck hörte er den Wagen allmählich näher kommen. Er folgte 
ihm in einigem Abstand, ohne bemerkt zu werden. Unweit des  
Billesweihers verließ der Fuhrmann die Handelsstraße und fuhr auf einem wenig befahrenen Weg gegen das Dorf Neuhemsbach zu. Burg und Dorf Neuhemsbach waren kurz vorher in den Kriegsswirren des Jahres
1689 zerstört worden und so gut wie unbewohnt. Die Herrschaft Neuhemsbach gehörte einem reichen Wormser Bürger namens G. Merkel, der sie von einem Erben der Flersheimer erstanden hatte. Und wer mit dem Wagen durch die Nacht in Richtung Neuhemsbach fuhr, war niemand anderes als der Besitzer der Burg. Die Wagenfracht aber bestand aus 24 Zentner geschmolzenem Glockenmetall.

Am 31. Mai 1689 ließ der französische General Melac die Reichsstadt Worms niederbrennen. Ratsherr Merkel barg das geschmolzene Glockenmetall einer zerstörten Kirche und brachte es in den erhalten gebleibenen Burgkeller nach Neuhemsbach. Er hoffte, dass in dieser einsamen Gegend niemand den Schatz entdecken würde. Der Schwarze Reiter hatte jedoch alles beobachtet. Er erzählte es in der Stadt und so kam es auch dem Ratsherrn Leymeister zu Ohren. Dieser erwirkte von dem französischen Intendanten de la Goupilliere die Erlaubnis, das vergrabene Glockenmetall zu suchen. Mit dem genannten Geleitsreiter und einigen Bürgern aus der Stadt holten sie das Glockenmetall aus seinem Versteck. Jeder verdiente sich bei diesem unehrenhaften Handel 60 Gulden. Der schwarze Geleitsreiter konnte sich jedoch nicht lange seines Gewinns erfreuen. Im November 1690 fand man ihn in der Nähe des Neuhemsbacher Galgens mit gebrochenem Genick. Sein Pferd war erschossen. Die Ursache seines Todes konnte nicht geklärt werden.

In der Randecker Schänke (Randecker Hof bei Neuhemsbach) kann man im Übrigen auch heute noch einkehren. Die Plätze der Niederen und Hohen Gerichtsbarkeit können erwandert werden. Anfrage zu Wanderführungen gern über www.mitinaunterwegs.de


Die Burgfrau auf Berwartstein

Unweit der Straße von Bergzabern nach Dahn, etwa in der Mitte zwischen beiden Orten, erheben sich über dem gleichnamigen Dorf die Ruinen der Ritterburg Berwartstein oder Bärbelstein, die durch ihre vielen Felsengemächer und in den Felsen gehauenen Gänge noch heute viele Besucher empfängt.

So gelang es denn auch einem lange Zeit davor lagernden Feind, trotz der lebhaften Gegenwehr, die Mauern der Burg zu ersteigen. Der Ritter fiel mit allen seinen Leuten in den Räumen des Schlosses, die sie Schritt für Schritt verteidigten, und niemand blieb von den Burgbewohnern übrig, als die Burgfrau, welche sich beim Eindringen der Feinde mit ihrem Säugling an einen sicheren Ort versteckt hatte. Als aber die siegtrunkenen Feuer anlegten und die Flammen die Unglückliche zu erreichen drohten, wollte sie sich lieber dem Tod als dem rauen Kriegsvolk übergeben. Rasch stürzte sie zu dem Söller hin und sprang mit ihrem Kind in das Flammenmeer, das sie augenblicklich verschlang.

Alljährlich zeigt sie sich einmal auf den Trümmern ihres ehemaligen Schlosses. Dumpf rollt zur Nachtzeit ein Wagen durch das Dorf, aus dem am Burgberg die Burgfrau mit ihrem Kind steigt. Hat sie die Burg erstiegen, so blickt sie mit Wehmut auf den Greul der Verwüstung in ihrem ehemaligen Haus und stürzt sich dann mit ihrem Säugling voll Verzweiflung den Fels hinab.


Die Pfalz ist Heimat unendlich vieler Legenden, die diesem Landstrich ihren ganz eigenen Charme verleihen. Man muss sich nur die Mühe machen, sie zu finden; hinter jedem Stein kann sich eine kleine Geschichte verbergen.


Kennen Sie weitere interessante Sagen aus der Heimat-Pfalz? Wir freuen uns auf Ihre Geschichten und veröffentlichen diese nach kurzer Prüfung gerne.

 

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