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„So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes“ (Röm. 10,17)

Kanzel in der Protestantischen Kirche in AlsenzEine Kanzel war bereits in vorreformatorischer Zeit in vielen Gotteshäusern vorhanden. Doch erst in der Reformation rückte die Kanzel in den Mittelpunkt des Gottesdienstes und der Kirche. Um seine Zuhörer besser erreichen zu können, benötigte der Prediger einen erhöhten Standpunkt. So ist es kein Wunder, dass etwa seit 1500 in vielen Kirchen neue Kanzeln angeschafft und oft entsprechend aufwendig gestaltet wurden.

 

Ein Beispiel dafür ist die Kanzel in der Protestantischen Kirche in Alsenz. Sie ist nicht nur kunsthistorisch sehr interessant, sondern auch reformationsgeschichtlich von überregionaler Bedeutung. Die Geschichte der Alsenzer Kanzel beginnt meines Erachtens in Meisenheim. Dorthin kehrte nämlich Nikolaus Faber [1] nach seinem Theologiestudium in Wittenberg bei Martin Luther und Philipp Melanchthon 1523 zurück. Als überzeugter Anhänger Luthers und der neuen evangelischen Lehre setzte er sich im Johanniterkonvent für die Veränderungen im evangelischen Sinne ein. Das Jahr 1526 – als Faber das Abendmahl erstmals in „beiderlei Gestalt“ reichte – gilt übrigens in Meisenheim als Einführung der Reformation. Diesem Johanniterkonvent gehörte auch Johann Friedrich Sensenschmidt [2] an und er dürfte von den Neuerungen und der Begeisterung Fabers nicht unberührt geblieben sein. Insbesondere ein Treffen mit den beiden großen Reformatoren Zwingli und Schwebel am 22. September 1529 in Meisenheim hatte bei dem Confrater[3] großen Eindruck hinterlassen. Als das Ordenshaus 1532 aufgelöst wurde, fanden die verbliebenen Ordensbrüder in pfälzischen Pfarrgemeinden neue Anstellungen. Johann Friedrich Sensenschmidt kam auf diesem Wege nach Alsenz.

 

Das Mainzer Mutterhaus der Johanniter besaß zu dieser Zeit nämlich noch das Pfarrstellenbesetzungsrecht in Alsenz. Sensenschmidt übernahm als Pleban des St. Johannisstifts in Mainz also die Pfarrei Alsenz. Seine neue Tätigkeit war umfassend: Er war Schultheis und Gemeindeschreiber, hielt die Messe und erteilte Unterricht. Er wohnte im Bruderhaus und leitete die Betreuung der Armen und Kranken. So tief in der Gemeinde verwurzelt, fiel es ihm wohl recht einfach, die reformatorischen Neuerungen in Alsenz voran zubringen. Bis heute sichtbarstes Zeichen seiner Arbeit ist die Kanzel. Als Kurfürst Ludwig V. 1533 vom Mainzer Johannisstift das Pfarrbesetzungsrecht und den dritten Teil des Zehnten erwarb, entstand die Kanzel mit dem kurpfälzischen Wappen. Obwohl Kurfürst Ludwig V. für seine Kurpfalz eine definitive Entscheidung in der Religionssache vermieden hatte und vereinzelt gegen allzu große Neuerungen eingegriffen hatte, ging er doch nicht entschieden gegen die evangelische Bewegung vor. Daher konnte sich die Reformation bei Hofe, in der Hauptstadt Heidelberg und im Land fast ungehindert ausbreiten. So urteilt wohl auch Heinrich Steitz [4] ganz folgerichtig: „Es ist wichtig zu erkennen, dass für die Alsenzer die Reformation keinen Bruch darstellte, sondern eine Reform“. Und so steht die Kanzel und die darin eingemeißelte Jahreszahl 1533 für das Jahr der Einführung der Reformation in Alsenz.

 

Doch nun zu der Kanzel selbst.

Die Vorderseite des Kanzelkorbs, welcher auf einem gut durchgestalteten Bündelpfeiler ruht, zeigt das kurpfälzische Wappen mit den pfälzischen Löwen und bayerischen Wecken. Es wird von zwei ineinander gewundenen Stämmen getragen. Die künstlerische Ausführung zeigt ein in der Fläche stehendes, plastisch gestaltetes Relief, von der gleichen Art sind die vier anderen Seitenteile gehalten, welche ebenso einen dekorativen Schmuck tragen. Über dem Wappen steht die eingemeißelte Jahreszahl 1533, was auf den Erwerb durch das kurpfälzische Haus, den damals regierenden Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz hindeutet. In dem anstoßenden, linken schmalen Feld ist eine stilisierte Lilie mit gewundenem Stengel zu sehen.

 

Auf der anschließenden letzten Wandung, der linken Kanzelseite, sieht man zwei Distelstengel, ebenfalls gewunden, die einer stilisierten, halben Erdkugel entwachsen, in ungefähr 50 cm Höhe sich teilend, rechts und links ausbiegend eine kreisförmige Fläche ergeben. Die sich im oberen Feld überkreuzenden Stengel zeigen an den Enden je eine blühende Distel. An diesen Ästen hängen drei Schilde mit „Lederriemen“ befestigt. Auf der angedeuteten Die Steinmetzzeichen im KanzelkorbWeltkugel die eingravierten Buchstaben LV GP und darunter VC und RC. Ich denke, dass es sich hierbei um die Initialen der Stifter oder Mitglieder des Heidelberger Konsistoriums handelt und nicht wie bisher in vielen Abhandlungen angedeutet, um die damaligen Zehentherren. In dem schmalen Teil der Wandung auf der rechten Seite des Kanzelkorbs ist eine blühende Distel zu sehen, die aus einem kleinen (Wasser-)Krug emporwächst.

 

Das fünfte Feld ist mit gotischem Maßwerk verziert und zeigt in der Mitte des oberen Drittels ein eingehauenes Steinmetzzeichen. Vier dieser alten Handwerkszeichen sind an der Kanzel zu finden. Am Kanzelfuß, sowie dem vierten und fünften Feld des Kanzelkorbes sind die gleichen Embleme angebracht, während im mittleren Teil der Wandung ein anderes Zeichen zu sehen ist. Aus dieser Tatsache darf geschlossen werden, Die Steinmetzzeichen im Kanzelkorbdaß zumindest zwei verschiedene Hände mit der Schaffung und Bearbeitung beauftragt waren. Im Mittelalter war es üblich, daß der Steinmetz die von ihm bearbeiteten Werkstücke mit seinem Zeichen versah. Jeder Handwerker hatte sein eigenes Emblem.

 

Allerdings wird man heute nicht mehr feststellen können, aus welcher Werkstatt sie stammen oder wer der Ausführende war. Dies wird hinter dem Schleier der Anonymität verborgen bleiben [5]. Es dürfte sich höchstwahrscheinlich nicht um eine Alsenzer Werkstatt handeln, sondern vermutlich wurde die Kanzel in Heidelberg gefertigt.

 

[1] Biundo, Georg: Die evangelischen Geistlichen der Pfalz seit der Reformation, Neustadt an der Aisch, 1968, Nr. 1212.

[2] Biundo 5049.

[3] Lateinisch für „Mitbruder“, gebräuchliche Anrede unter Priestern.

[4] Steitz, Heinrich: Kirche und Gemeinde in Alsenz, in: 1200 Jahre Alsenz 775-1975, Alsenz 1976, S. 149.

[5] Zepp, Eugen: Die Stein- und Bildhauerei in Alsenz, in: 1200 Jahre Alsenz 775-1975, Alsenz 1976, S. 259f.

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